Bei den in China ausgetragenen Humanoiden-Roboter-Olympiaden laufen, spielen Fußball, boxen und konkurrieren Roboter miteinander. Wir haben es nicht mehr mit Maschinen zu tun, bei denen wir klatschen, wenn sie ein paar Schritte machen. Es gibt Roboter, die beginnen, die Fähigkeiten des menschlichen Körpers herauszufordern. Die Geschwindigkeit, die der chinesische humanoide Roboter Tiangong Ultra im 100-Meter-Lauf erreicht hat, ist so beeindruckend, dass sie sogar mit dem menschlichen Weltrekord von Usain Bolt verglichen wird. Die Botschaft, die China der Welt sendet, ist überaus deutlich: Wir bauen keine Roboter mehr, wir bauen Maschinen, die die physischen Grenzen des Menschen herausfordern.
Dann gehen einige dieser Roboter nach Amerika.
Auf der Bühne von America’s Got Talent tauchen die chinesischen Unitree-Roboter auf. Auf den ersten Blick könnte man meinen, eine Tanzvorführung zu sehen. Doch bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass es sich um eine Kung-Fu-Choreografie handelt, die mit Tanz ästhetisiert wurde. Die Roboter fliegen durch die Luft, treten zu, führen Kampfkunstbewegungen aus und demonstrieren ihr Gleichgewicht sowie ihre physische Agilität. Und das tun sie so beeindruckend, dass das Publikum stehende Ovationen gibt.
Dann schaut man sich die amerikanischen Roboter an.
Einer trägt eine Einkaufstüte.
Der andere räumt zu Hause die Wäsche zusammen. Der Roboter von Boston Dynamics tritt auf und tanzt. Beim Tesla Optimus lassen sie ihn Eier halten, Gegenstände tragen und mit Menschen zusammenarbeiten. Während der chinesische Roboter Kung-Fu macht und Tritte verteilt, kommt der amerikanische Roboter mit einer Tüte in der Hand nach Hause.
Auf den ersten Blick kommt einem der Gedanke: China hat diesen Wettlauf gewonnen!!!
Wenn wir die Angelegenheit nur unter dem Aspekt von Motorkraft, Gleichgewicht, Geschwindigkeit, künstlicher Intelligenz und Ingenieurskunst betrachten, übersehen wir etwas sehr Wichtiges. Auch Technologie hat eine Seele. Oder besser gesagt: Die Gesellschaft, die die Technologie erschafft, verleiht ihr etwas von ihrer eigenen Seele.
Genau das nenne ich die Seele der Rassen.
Ich spreche von Kulturen, politischen Strukturen und deren Sicht auf den Menschen. Das historische Trauma der westlichen Welt in Bezug auf Rassismus hat es heute fast unmöglich gemacht, einen solchen Satz zu formulieren. Sobald man einen solchen Vergleich zwischen menschlichen Gemeinschaften und Kulturen anstellt, wird noch vor dem Inhalt der Diskussion das verwendete Konzept in Frage gestellt. Dabei müssen wir in der Lage sein, das Bild, das vor uns liegt, auch analytisch zu beschreiben.
Der chinesische Roboter konkurriert mit dem Menschen.
Er macht Kung-Fu.
Er verteilt Tritte.
Der amerikanische Roboter hingegen trägt die Einkaufstüte des Menschen, arbeitet an seiner Stelle in der Fabrik, hilft bei der Hausarbeit und tanzt dann.
Sind diese Entscheidungen Zufall?
Vielleicht, wenn man sich die Vorführungen einzeln ansieht. Aber wenn man die Beziehung zwischen Technologie und Kultur betrachtet, lässt sich die Frage nicht so einfach abtun.
Denn man muss auch auf Chinas Beziehung zum Menschen schauen.
Jack Ma ist eines der symbolischen Beispiele dafür. Dass ein Mensch, der Alibaba gegründet und sich zu einem der größten Unternehmer der Welt entwickelt hat, nach einer Rede, in der er die Finanzregulierung in China kritisierte, monatelang aus der Öffentlichkeit verschwand, seine Unternehmen unter massiven staatlichen Druck gerieten und Ma in den Folgejahren nur noch sehr zurückhaltend auftrat, zeigt uns – unabhängig davon, wie groß das Technologieunternehmen ist – den Platz des Individuums gegenüber dem System.
Die Situation der Uiguren ist die weitaus schwerwiegendere Seite davon. Hier sprechen wir nicht mehr von der Freiheit eines Unternehmers, sondern von den Grundrechten der Menschen.
Wenn China diesen Wettlauf gewinnt, werden nicht nur chinesische Roboter gewinnen.
Auch das in die Roboter implementierte Menschenbild wird gewinnen.
Heute darüber nachzudenken, ist besonders wichtig. Denn wenn künstliche Intelligenz und Robotik verschmelzen, wird das, was wir produzieren, nicht mehr nur eine Maschine sein, die vorgegebene Bewegungen ausführt. Maschinen, die ihre Umgebung wahrnehmen, Entscheidungen treffen, mit Menschen interagieren und zunehmend mehr Autonomie gewinnen, werden in unser Leben treten. In einer solchen Welt werden wir neben der Frage, wie schnell ein Roboter laufen kann, noch andere Fragen haben: Was ist der Mensch für ihn? Was ist Autorität? Was ist Gehorsam? Wo beginnt die Grenze des Individuums? Wem dient der Roboter? Dem Staat, demjenigen, der ihn gekauft hat, oder dem Menschen, der ihm gegenübersteht?
Betrachten Sie also den amerikanischen Roboter, der die Einkaufstüte trägt, noch einmal mit diesem Blick.
Vielleicht ist es wichtiger, dass ein Roboter für den Menschen läuft, als dass er schneller läuft als der Mensch. Dass er die Last des Menschen trägt, ist wichtiger, als dass er härter zutritt. Dass er dem Menschen hilft, ist wichtiger, als dass er ihn besiegt.
Marcus Aurelius sagte vor etwa zweitausend Jahren, dass unsere Gedanken unsere Seele formen: „Die Seele nimmt die Farbe der Gedanken an.“
Was für den Menschen richtig ist, hat auch eine Entsprechung für Gesellschaften. Womit Sie sich heute beschäftigen, das wird morgen Ihr Leben sein.
Wenn Sie heute den Roboter beklatschen, der den Menschen übertrifft, werden Sie morgen mit Robotern leben, die darauf ausgelegt sind, den Menschen zu übertreffen. Wenn Sie heute den Roboter weiterentwickeln, der dem Menschen dient, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie morgen mit Maschinen leben, die an der Seite des Menschen stehen.
Achten Sie deshalb darauf, welche Technologie Sie beklatschen.
Denn die Technologie, die Sie heute beklatschen, wird in Zukunft Ihr Leben sein.
Und der Roboter-Wettlauf ist längst nicht mehr nur ein technologischer Wettlauf.
Er ist auch ein Thema der Ethik, der Moral und der Kultur.
Hinweis: Zudem erleben wir dasselbe Problem heute auch bei der künstlichen Intelligenz. Hätte ich beispielsweise versucht, diesen Text von ChatGPT schreiben zu lassen, hätte es mit dem klischeehaften antirassistischen Blick des Westens in die Struktur des Textes eingegriffen und Sätze wie „Hier spreche ich nicht von einer biologischen Rasse“ eingefügt, die meinem analytischen Standpunkt widersprechen. Das bedeutet, künstliche Intelligenz ist keine neutrale Technologie, die nur das verarbeitet, was wir sagen; sie kann auch die Traumata, Klischees und sogar Tabus der Kultur, in der sie entwickelt wurde, in sich tragen.
Genau deshalb ist der Wettlauf um künstliche Intelligenz und Roboter nicht nur ein technologischer Wettlauf; er ist gleichzeitig ein Kultur- und Moralwettlauf. Auch wenn wir als Türken vielleicht keine Roboter bauen können, können wir uns dieser Seite des Wettlaufs nicht entziehen. Wir müssen uns unbedingt mit der Frage befassen, welche Werte in künstliche Intelligenz und Roboter einfließen, wo der Mensch gegenüber diesen Systemen positioniert wird und welche Kultur durch Technologie in die Zukunft getragen wird. Denn am Ende werden wir nicht nur die Technologie anderer nutzen; wir werden auch mit der Weltanschauung leben, die in diese Technologie eingebettet ist.
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