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Großmächte und der scharfe Wettbewerb in Afrika

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Parallel zum Niedergang des US-Imperialismus und der Schwächung seiner hegemonialen Fähigkeiten verschärft sich der Wettbewerb zwischen den Großmächten weltweit – sowohl in einem sehr weiten geografischen Raum als auch in verschiedenen Bereichen. Von Afrika bis Zentralasien, von Elektroautos bis hin zur künstlichen Intelligenz findet insbesondere zwischen den USA und China ein intensiver Wettbewerb statt.

Wir wissen aus der Geschichte: Wo immer ein Wettbewerb zwischen Großmächten stattfindet, dort findet man keinen Frieden. Dort gibt es keine Stabilität. Kriege, interne Konflikte, Staatsstreiche und die damit verbundenen massiven Fluchtbewegungen sind an der Tagesordnung. Die Großmächte wollen dort auch nicht die Entwicklung von partizipativer Demokratie, Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit oder Klassenbewusstsein. Sie unterstützen Diktaturen, autoritäre und totalitäre Regime sowie unterdrückerische Verwaltungen. Die Knappheit der Wasserressourcen, Dürre und Hunger in Afrika sind nicht das Anliegen der imperialistischen Mächte. Sie konzentrieren sich darauf, auszubeuten, zu plündern, die Ressourcen der Länder, in denen sie sich festgesetzt haben, zu rauben und deren Binnenmärkte zu übernehmen.

Afrika ist in diesem Zusammenhang besonders wichtig. Denn der Kontinent zieht einerseits durch seine Größe, andererseits durch seine Bevölkerung und seine Bodenschätze die Aufmerksamkeit auf sich. Im Wettbewerb auf dem alten und armen Kontinent liegen die USA und China vorn. Auch wenn sie nicht das Ausmaß dieser beiden erreichen, unternimmt auch Russland einige Schritte. Zwischen den USA und China ist der Wettlauf insbesondere bei der Förderung, Verarbeitung und dem Transport von Bodenschätzen auf die Weltmärkte scharf.

Afrika weckt mit seinen reichen Bodenschätzen, seiner Bevölkerung von 1,5 Milliarden Menschen und seiner Bedeutung für Handelswege als großer, bevölkerungsreicher und wachsender Markt den Appetit kapitalistischer, entwickelter und industrialisierter imperialistischer Staaten. Auch aus geopolitischer Sicht befindet sich der Kontinent in einer Position, die nicht vernachlässigt werden kann. Afrika ist bekannt für seinen Reichtum an seltenen Erden, wertvollen Mineralien wie Diamanten und Gold sowie an Erzen, die für Hochtechnologieprodukte von großer Bedeutung sind, wie Kupfer, Kobalt und Lithium.

AFRIKA HAT KEIN GEWICHT IN DER WELTPOLITIK

Afrika hat, anders als andere Kontinente wie Europa, Asien oder Amerika, kein Land, das in der Weltpolitik oder Weltwirtschaft herausragt. Es gibt in Afrika kein solches Bündnis, keine solche internationale Organisation oder Union. Auf dem amerikanischen Kontinent gibt es eine Großmacht: die USA. Auf dem asiatischen Kontinent gibt es Großmächte: Russland und China. Auch Indien steigt auf. Auf dem europäischen Kontinent gibt es große, bedeutende Mächte: Großbritannien, Frankreich, Deutschland. Aber auf dem afrikanischen Kontinent gibt es solche Staaten nicht. In Afrika gibt es den Wettbewerb von Großmächten, die nicht afrikanisch sind. Auch die Afrikanische Union, die Organisation der afrikanischen Länder mit 55 Mitgliedern, ist weit davon entfernt, in der Weltpolitik, ja selbst auf dem afrikanischen Kontinent, wirksam zu sein.

In Afrika gab es in den letzten 15 bis 20 Jahren bedeutende Veränderungen. Bewaffnete Konflikte, Bürgerkriege und Gewalt haben stark zugenommen. Von Äthiopien bis Somalia, von Libyen bis zum Sudan haben bewaffnete Konflikte in vielen Ländern zum Tod zahlreicher Menschen, zur Destabilisierung von Regierungen und zu Fluchtbewegungen geführt. Terrororganisationen haben diese Situation für sich als Chance genutzt. Und die Großmächte haben diese Terrororganisationen instrumentalisiert.

Staaten wie Großbritannien und Frankreich, die im 19. und 20. Jahrhundert Kolonialmächte in Afrika waren, träumen von alten Zeiten. Sie versuchen, etwas zu unternehmen, aber es gelingt nicht. Deutschland als wirtschaftliche, industrielle und technologische Führungsmacht Europas interessiert sich sehr für Afrika. Doch trotz des Interesses am Kontinent bleibt sein Wissen und seine Erfahrung im Vergleich zu den Briten und Franzosen schwach. Italien versucht, etwas zu tun, doch die Kraft reicht nicht aus. Die Niederlande und Belgien, die einst in Afrika einflussreich waren, sind weit von ihren alten Tagen entfernt. Spanien und Portugal haben in der Weltpolitik keine Ambitionen. All diese Länder befinden sich, um es mit den Worten von Ahmet Hamdi Tanpınar zu sagen, in einer „Sehnsucht nach einer vagen Vergangenheit“.

China weiß um die Bedeutung Afrikas. Es investiert massiv in den Kontinent. Es ist Afrikas größter Handelspartner. Bei den Exporten des Kontinents steht es an erster Stelle. Auch bei den an afrikanische Länder vergebenen Darlehen, Krediten und Zuschüssen liegt es vor westlichen Institutionen. Die Kapazität für Investitionen und Auslandshilfe, die wirtschaftliche Stärke und die Handelsbeziehungen festigen natürlich Chinas politischen und diplomatischen Einfluss in Afrika. Es erhöht seine Sichtbarkeit und sein Ansehen. China unterstützt im Rahmen der „Belt and Road“-Initiative auch groß angelegte Infrastrukturinvestitionen sowie Kommunikations- und Transportprojekte.

DIE HÄRTE UND DIMENSIONEN DES WETTBEWERBS

Dass Russland in Afrika ähnlich wie China große wirtschaftliche Investitionen tätigt, Hilfsaktivitäten durchführt oder Handel treibt, ist natürlich nicht möglich. Deshalb versucht es, insbesondere durch private Militärunternehmen (man erinnere sich an die Aktivitäten der Wagner-Gruppe), durch die Sicherung von Führungskräften, Unternehmen und Reichen auf dem Kontinent hervorzustechen. Russland hatte Söldner nach Mali und in die Zentralafrikanische Republik entsandt.

Die USA versuchen einerseits, den wachsenden Einfluss Chinas in Afrika, seine wirtschaftlichen Aktivitäten, seine Sichtbarkeit und seine Schritte in der öffentlichen Diplomatie zu behindern, und bemühen sich andererseits, ihre wirtschaftlichen und politischen Bindungen zu den afrikanischen Ländern zu stärken. Erinnern wir uns daran, dass die USA 2011 über die NATO in Libyen intervenierten und in Somalia direkt Ziele des IS angriffen. Wir kennen das Ausmaß der Beziehungen der USA zu Ägypten.

Die USA, China und Russland fallen auch beim Waffenverkauf an afrikanische Länder auf. Je schärfer der Wettbewerb der Großmächte auf dem Kontinent wird, desto breiter wird auch das Spektrum der Themen, um die konkurriert wird. Neben wirtschaftlichen, politischen und militärischen Dimensionen kommt ein kultureller Wettbewerb hinzu. Da jede Großmacht, die ihre Einflussgebiete erweitern will, den rivalisierenden Mächten den Weg versperren möchte, ist Afrika sowohl Schauplatz als auch Zeuge dieses harten Wettbewerbs. Einige Experten erklären diesen Wettbewerb mit einer neuen Art von Kolonialismus, andere mit der Natur, Komplexität und Vielfalt des Wettbewerbs zwischen imperialistischen Zentren.