Während die Spannungen zwischen den USA und dem Iran anhalten, wurden wichtige Ernennungen in den militärischen und politischen Führungsebenen des Iran vorgenommen. Diese Ernennungen sind nicht nur im Hinblick auf die Neuordnung der Kommandostruktur unter Kriegsbedingungen von Bedeutung, sondern auch für die Zukunft der Machtverhältnisse im Iran. Insbesondere die Besetzung kritischer Posten mit Hardlinern und Persönlichkeiten aus der Sicherheitsbürokratie verstärkt die Einschätzung, dass Teheran eine zentralere und koordiniertere Struktur sowohl gegen äußere Bedrohungen als auch gegen mögliche neue interne Sicherheitsprobleme aufbauen will. Dies wirft die Frage auf, ob es sich bei diesen Ernennungen um eine Umstrukturierung der Machtzentren im Iran handelt oder um einen strategischen Schritt des Regimes, um die nächste Phase zu steuern.
Dass der iranische Präsident Masoud Pezeshkian am 10. August ein etwa siebenstündiges Gespräch mit dem religiösen Führer Mojtaba Khamenei führte, erregte in diesem Zusammenhang Aufmerksamkeit. Die Tatsache, dass Khamenei seit langem nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetreten war, und die Dauer des Gesprächs unterstrichen dessen Bedeutung zusätzlich.
Militärstruktur wird neu geordnet
Bei den jüngsten Ernennungen im Iran fällt auf, dass Persönlichkeiten mit Sicherheits- und Militärhintergrund in den Vordergrund rücken. Die Ernennung von Hossein Taeb zum Kommandeur der Basidsch-Miliz, der zuvor der erste Leiter des Geheimdienstapparates der Revolutionsgarden (IRGC) war und in der Vergangenheit in der Basidsch-Organisation tätig war, ist in dieser Hinsicht bemerkenswert.
Mit der Ernennung von Ali Abdullahi zum Generalstabschef wurde zudem eine wichtige Änderung in der militärischen Kommandostruktur vorgenommen. Die Ernennung von Kioumars Heydari zum stellvertretenden Generalstabschef, Ahmad Vahidi zum Kommandeur der Revolutionsgarden, Mostafa Izadi zum stellvertretenden Generalkommandeur und Ali Azmai zum Kommandeur der Marine zeigt, dass der Iran seine militärische Struktur an die Kriegsbedingungen angepasst hat.
Eines der bemerkenswertesten Elemente dieser Änderungen ist der Schritt zur Stärkung der operativen Koordination zwischen der iranischen Armee und den Revolutionsgarden. Es wurde beschlossen, das Khatam al-Anbiya-Zentralkommando, eines der wichtigsten Koordinationszentren der iranischen Streitkräfte in Kriegszeiten, mit dem Generalstab zusammenzulegen.
Daher wäre es unzureichend, die militärischen Ernennungen lediglich als Personalwechsel bestimmter Namen zu bewerten. Der Versuch, ein Kommandozentrum zu schaffen, das die Entscheidungsfindung im Krieg beschleunigt, und die erneute Stärkung der iranischen Armee gegenüber den Revolutionsgarden können als die eigentlich bemerkenswerten Punkte angesehen werden.
Kritische Veränderung im Sicherheitsrat
Eine der wichtigsten Änderungen auf der politischen Ebene dieser Umstrukturierung fand im Obersten Nationalen Sicherheitsrat statt. Die Ernennung des ehemaligen Kommandeurs der Revolutionsgarden, Mohsen Rezaee, zum Sekretär des Rates ist eine wichtige Botschaft für die Zukunft der iranischen Sicherheitspolitik.
Rezaee ist eine Persönlichkeit, die viele Jahre an der Spitze der Revolutionsgarden stand, während des Iran-Irak-Krieges eine wichtige militärische Rolle spielte und später in der iranischen Politik einflussreich war. Daher kann diese Ernennung als Stärkung der Verbindung zwischen der Sicherheitsbürokratie und dem politischen Entscheidungsmechanismus gewertet werden.
Es ist bekannt, dass es während dieses Ernennungsprozesses Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Präsidenten und dem religiösen Führer gab und Pezeshkian eine Haltung zugunsten des vorherigen Sekretärs Mohammad Bagher Zolghadr einnahm. Die Ernennung von Rezaee bedeutet jedoch nicht, dass sich diese Differenz direkt in einen politischen Konflikt verwandelt hat. Die positiven Äußerungen in Pezeshkians Erklärungen zeigen, dass im Rahmen der nationalen Interessen gehandelt wird.
Daher sollte diese Änderung nicht als direkter Machtkampf zwischen Pezeshkian und dem Amt des religiösen Führers interpretiert werden. Vielmehr ist es treffender, sie als Teil der neuen Strukturierung zwischen den politischen Machtzentren zu betrachten.
Obwohl Kommentare laut werden, dass diese Ernennungen darauf abzielten, die Macht des Parlamentspräsidenten Mohammad Bagher Ghalibaf und des Kommandeurs der Revolutionsgarden Ahmad Vahidi einzuschränken, kann man eigentlich sagen, dass „diese Personen nicht aus sich heraus stark sind, sondern durch ihre Verbindungen“.
Wie einflussreich ist Pezeshkian?
Eine der wichtigen Fragen zu den jüngsten Entwicklungen im Iran ist, inwieweit Pezeshkian innerhalb der bestehenden Machtverhältnisse einflussreich ist. Die jüngsten Ernennungen zeigen, dass das Präsidentenamt nicht völlig außerhalb des Entscheidungsmechanismus steht, aber auch nicht die letztendlich bestimmende Position innehat.
Es ist auch nicht möglich zu sagen, dass Pezeshkian aus dem Prozess herausgehalten wurde. Die Ernennung von Zolghadr zum politischen Berater des religiösen Führers und die Berufung von Rezaee zum Sekretär des Rates zeigen, dass sich die Beziehungen zwischen den verschiedenen Machtzentren neu formen.
Die direkte Ernennung von Ali Abdullahi zum Generalstabschef durch Mojtaba Khamenei hat erneut verdeutlicht, dass die endgültige Befugnis in der militärischen Führungsebene beim Amt des religiösen Führers liegt. Im Gegenzug zeigt Pezeshkians Ernennung von Mohsen Rezaee zum Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates, dass die Rolle des Präsidentenamtes bei der Gestaltung der Sicherheitspolitik nicht vollständig verschwunden ist.
Daher erscheint es treffender, Pezeshkians derzeitige Position nicht als „Akteur, der die Kontrolle übernimmt“, sondern als einen der wichtigen politischen Akteure, der versucht, ein Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Machtzentren im Iran herzustellen, zu bewerten.
Die innere Front wird ebenfalls berücksichtigt
Es reicht nicht aus, die Ernennungen nur im Kontext des anhaltenden Konflikts mit den USA und Israel zu bewerten.
Der Iran steht gleichzeitig vor ernsten wirtschaftlichen Problemen, gesellschaftlichen Unruhen und der Möglichkeit neuer Proteste. Daher bedeutet die Umstrukturierung der Sicherheitsbürokratie sowohl die Stärkung der militärischen Kapazitäten gegen äußere Bedrohungen als auch die Festigung der internen Sicherheitsmechanismen.
Die Ernennung von Hossein Taeb zum Kommandeur der Basidsch-Miliz wird in dieser Hinsicht ebenfalls als wichtiger Schritt gewertet. In Anbetracht der Aufgaben, die Taeb in der Vergangenheit sowohl im Geheimdienst als auch innerhalb der Basidsch übernommen hat, kann die Ernennung nicht nur als militärische Entscheidung gelesen werden, sondern auch als Suche nach einer Stärkung der internen Sicherheitskapazität des Staates gegen mögliche soziale Bewegungen.
Daher steht die iranische Führung vor einer zweidimensionalen Sicherheitsgleichung: Auf der einen Seite der äußere Sicherheitsdruck durch den anhaltenden Konflikt mit den USA und Israel, auf der anderen Seite das interne Sicherheitsrisiko durch wirtschaftliche Probleme und soziale Unruhen. Die jüngsten Ernennungen können als Teil des Versuchs gewertet werden, auf diese beiden Bedrohungen gleichzeitig zu reagieren.
Macht in einer Hand?
All diese Entwicklungen werfen eine grundlegendere Frage im Iran auf: Wird die Macht wieder in einem einzigen Zentrum konzentriert oder entsteht eine mehrzentrale Entscheidungsstruktur?
Während der Ära von Ali Khamenei war der strategische Entscheidungsmechanismus im Iran weitgehend um das Amt des religiösen Führers herum geformt. Nach der Ernennung von Mojtaba Khamenei zum religiösen Führer im März haben seine seltenen öffentlichen Auftritte jedoch die Fragezeichen darüber verstärkt, über welchen Mechanismus Entscheidungen getroffen werden. Es gibt unterschiedliche Behauptungen über den Gesundheitszustand von Mojtaba Khamenei und seine tatsächliche Entscheidungsfähigkeit. Daher ist es zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, ein endgültiges Urteil darüber zu fällen, inwieweit das Amt des religiösen Führers im Iran tatsächlich funktioniert.
Dennoch zeigen die jüngsten Ernennungen, dass der Entscheidungsmechanismus nicht nur vom Willen einer einzigen Person abhängt, sondern dass ein Koordinationsmechanismus zwischen Militärkommandeuren, den Revolutionsgarden, dem Umfeld des religiösen Führers, dem Präsidentenamt und anderen Sicherheitsinstitutionen entstanden ist.
Aus einer Perspektive betrachtet könnte diese Struktur die Kontinuität des Regimes sichern. Denn die Verteilung des Entscheidungsmechanismus auf verschiedene Institutionen, anstatt ihn von einer einzigen Person abhängig zu machen, könnte die Widerstandsfähigkeit des Regimes erhöhen. Die Zunahme der Machtzentren könnte jedoch langfristig das Risiko von zwischeninstitutionellem Wettbewerb und Kompetenzstreitigkeiten mit sich bringen.
Die Zukunft des Iran
Die jüngsten Ernennungen sind nicht allein der Beweis dafür, dass der Iran in der Außenpolitik einen härteren Kurs einschlagen wird. Es ist jedoch klar, dass das Gewicht der Sicherheits- und Militärbürokratie zugenommen hat, eine zentralere Kommandostruktur geschaffen wurde, die den Kriegsbedingungen entspricht, und die innere Sicherheit neu priorisiert wurde. Die Stärkung der inneren Front signalisiert, dass der Iran in eine Position der Abschreckung nach außen übergehen wird.
Für die iranische Führung besteht das eigentliche Problem darin, das Gleichgewicht zwischen den militärischen und wirtschaftlichen Kosten des Krieges und der innenpolitischen Stabilität zu wahren. Während die Kosten des Krieges im Ausland steigen, könnten die Vertiefung der wirtschaftlichen Probleme im Inland und die anhaltende Unsicherheit über das Führungsamt den Druck auf das Regime erhöhen.
Daher sollte die eigentliche Bedeutung der jüngsten Ernennungen nicht nur in der Frage „Wer wurde auf welchen Posten berufen“ gesucht werden, sondern in „den neuen Machtverhältnissen, die diese Namen geschaffen haben“.
Heute mag im Iran ein starker Sicherheits- und Militärkoordinationsmechanismus geschaffen werden. Es ist jedoch noch nicht klar, ob dieser Mechanismus langfristig eine zentralistische Führung oder eine mehrzentrale Struktur hervorbringen wird, in der sich verschiedene Akteure einigen.
Hier stellt sich die eigentlich kritische Frage: Wie lange kann der Iran die Unsicherheit um das Führungsamt noch verwalten?
Insbesondere das deutliche Auftreten einer Führungskrise zusätzlich zu den hohen Kosten des Krieges könnte für die iranische Führung sehr viel schwerere politische und institutionelle Kosten verursachen. Daher wird in der kommenden Zeit nicht nur der Verlauf des Krieges, sondern auch die Gestaltung der Machtverteilung in Teheran einer der grundlegenden Faktoren sein, die die Zukunft des Iran bestimmen werden.
Kritische Frage
Und nach all diesen Entwicklungen sind dies die kritischsten Fragen, die für den Iran auf eine Antwort warten: Wenn Mojtaba Khamenei krank ist, wie kann er dann ein siebenstündiges Gespräch führen? Wird die Sichtbarkeit von Khamenei in der Öffentlichkeit wiederhergestellt oder wird die bestehende Unsicherheit der Vorbote eines anderen politischen Übergangs sein?
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