Türkiyes Antrag auf Red Notice für Netanjahu findet breites Echo in der europäischen Presse
Der Antrag der Türkei auf eine Red Notice gegen den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu wurde in der europäischen und US-amerikanischen Presse mit unterschiedlichen Schlagzeilen thematisiert.
Der Vorstoß der Türkei, eine Red Notice gegen den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu zu erwirken, hat in der internationalen Presse große Aufmerksamkeit erregt. US-amerikanische und europäische Medien bewerteten den Fall sowohl unter rechtlichen Gesichtspunkten als auch im Kontext der politischen Spannungen zwischen der Türkei und Israel.
Justizminister Akın Gürlek gab am Freitag in einem Beitrag in den sozialen Medien bekannt, dass das Ministerium beim Innenministerium die Beantragung einer Red Notice für Netanjahu und Afek Moskovitch angefordert habe. Der Antrag stütze sich auf die Haftbefehle des 11. Schwurgerichts von Istanbul vom 14. Juli 2026; in dem Verfahren seien 35 Angeklagte aufgeführt.
Die New York Times behandelte die Entwicklung im Rahmen einer Untersuchung zu Vorwürfen der Misshandlung von Flottenaktivisten durch Israel. Die Zeitung betonte, dass eine Red Notice „nicht bindend“ sei und lediglich einen Aufruf an die Strafverfolgungsbehörden weltweit darstelle, den Aufenthaltsort der gesuchten Person zu ermitteln und diese vorläufig festzunehmen.
Le Monde hob in ihrem Bericht den scharfen rhetorischen Schlagabtausch zwischen den beiden Ländern hervor. In dem auf die AFP zurückgehenden Bericht wurde Netanjahus Bezeichnung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan als „antisemitischer Diktator“ in die Schlagzeile übernommen.
Die italienische Nachrichtenagentur ANSA bewertete den Schritt Ankaras unter historischem Aspekt. Die Agentur wies darauf hin, dass die Türkei zum ersten Mal die internationale Festnahme eines amtierenden israelischen Regierungschefs fordere. ANSA erinnerte zudem an den Vergleich mit dem Mavi-Marmara-Zwischenfall im Jahr 2010 und daran, dass diplomatischer Druck damals zu einer offiziellen Entschuldigung Israels geführt habe.
Reuters berichtete aus Istanbul, dass die Entwicklung Teil eines innerstaatlichen Rechtsverfahrens sei, und schrieb, dass die Türkei bereits zuvor nationale Haftbefehle gegen Netanjahu erlassen habe.
Ob dem Antrag auf eine Red Notice stattgegeben wird, bleibt ungewiss. Von der in Lyon ansässigen Interpol, die 196 Mitglieder zählt, liegt noch keine Stellungnahme zu dem Antrag vor. Die Satzung von Interpol untersagt es der Organisation, in politischen, militärischen, religiösen oder rassistischen Angelegenheiten tätig zu werden.
Spanische Medien erinnerten daran, dass die Angeklagten in dem Verfahren in Abwesenheit verurteilt werden und die praktische Wirkung einer möglichen Red Notice vom innerstaatlichen Recht des Landes abhänge, in dem sich die gesuchte Person aufhält.
Der Fall bezieht sich auf das Stoppen der „Global Sumud“-Flotte in internationalen Gewässern, die im Mai von Marmaris aus in See gestochen war. Der Vorstoß der Türkei wird im Kontext der veränderten regionalen Bedingungen nach dem 7. Oktober 2023 und der diplomatischen Spannungen zwischen Ankara und Tel Aviv bewertet.
Nachrichtenquelle: 12punto
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