Wer ist es, der Lausanne zum 'Lumpen' macht?!
Griechenland setzt ungeachtet des Vertrags von Lausanne und trotz aller Proteste aus der Türkei die Verletzung der Rechte der türkischen Minderheit in Westthrakien fort.
Nachdem in diesem Schuljahr acht türkische Schulen geschlossen wurden, ernannte das Land in der vergangenen Woche neue Muftis für Komotini und Xanthi.
Zu dieser Mufti-Ernennung stellte unser Außenministerium fest, dass „Griechenland weiterhin die grundlegenden Rechte und Freiheiten der türkischen Minderheit in Westthrakien missachtet, die durch den Friedensvertrag von Lausanne und internationale Abkommen garantiert sind“.
Auch der Parlamentspräsident der Großen Nationalversammlung der Türkei, Numan Kurtulmuş, forderte Griechenland dazu auf, „seine Verpflichtungen aus dem Vertrag von Lausanne einzuhalten, den Willen der Türken in Westthrakien zu respektieren, die gewählten Muftis anzuerkennen und unverzüglich von inakzeptablen Praktiken Abstand zu nehmen“. Er betonte: „Als Türkei werden wir unsere Landsleute im Kampf um den Schutz ihrer Identität, ihres Glaubens und ihrer Rechte niemals allein lassen.“
Ebenso erklärte der gewählte Mufti von Xanthi, Mustafa Trampa, dass sie eine durch Lausanne und internationale Abkommen garantierte Minderheit seien, und sagte: „Wir fordern dieselben Rechte, die Staaten den Minderheiten unter ihrem Dach gewähren. In Istanbul gibt es zum Beispiel die griechische Minderheit. Die Republik Türkei gewährt der griechischen Minderheit in Istanbul alle Erleichterungen, was diese auch selbst zum Ausdruck bringt. So wie unser Mutterland diese Rechte gewährt, fordern wir dies auch. Es geht um die Reziprozität zwischen den beiden Minderheiten. Wir fordern die Anwendung dieser Reziprozität.“
„Säkulare Fanatiker würden Lausanne heiligen“
Während alle Griechenland an Lausanne erinnern, was für ein Unsinn wurde da von einem regierungsnahen Medium verbreitet?
Über und unter der Schlagzeile „Griechenland hat die Fesseln gesprengt“ stand Folgendes geschrieben:
„Athen hat das von säkularen Fanatikern geheiligte Lausanne zu einem Lumpen gemacht... Es ernennt Marionetten-Muftis und schließt unsere Schulen.“
„Athen, das den Vertrag von Lausanne, der von einer Handvoll radikaler Minderheiten in der Türkei verteidigt und geheiligt wird, mit Füßen tritt, hat seine Assimilationspolitik gegenüber der in Westthrakien lebenden türkischen Minderheit beschleunigt. Griechenland wendet gegenüber der türkischen Minderheit in vielen Bereichen, von der Identitätsverleugnung bis hin zu Bildungsbeschränkungen, von Stiftungsvermögen bis hin zur Freiheit der Kultstätten, einen systematischen politisch-kulturellen Völkermord an.“
Lausanne, die Eigentumsurkunde der Türkei, wird also von „einer Handvoll radikaler Minderheiten verteidigt und geheiligt“? Müssten sie dann nicht zufrieden damit sein, dass Griechenland den Vertrag „zum Lumpen macht“?
Da sie sich beschweren, wollen wir doch einmal mit Beispielen erläutern, wer Lausanne tatsächlich „zum Lumpen“ macht und machen lässt.
Diejenigen, die sich für die Eröffnung der Theologischen Hochschule von Chalki abmühen
Der gewählte Mufti von Xanthi, Mustafa Trampa, hat die Rechte der griechischen Minderheit in Istanbul und die Reziprozität unterstrichen. Beginnen wir mit der Theologischen Hochschule von Chalki, deren Eröffnung nicht nur vom Patriarchat und Griechenland, sondern auch von den USA und der EU entgegen der Verfassung und dem Gesetz über die Einheit des Bildungswesens (Tevhid-i Tedrisat) gefordert wird, und für deren Eröffnung Ankara bereits Zusagen gemacht hat.
Erzbischof Elpidophoros, der vom Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomäus I., entgegen dem Vertrag von Lausanne an die griechisch-orthodoxe Kirche in den USA berufen wurde, wurde Ende August von der stellvertretenden US-Außenministerin für Demokratie und Menschenrechte, Riley Barnes, ins Ministerium eingeladen. Bei dem Treffen wurden „die langfristigen Bemühungen zur Wiedereröffnung der Theologischen Hochschule von Chalki und die äußerst vielversprechenden Entwicklungen in dieser Angelegenheit“ erörtert.
Ebenso wurde kürzlich in New York bei einer Zeremonie im Namen der „Archonten des Ökumenischen Patriarchats“ unter der Leitung von Elpidophoros – bei der Dr. Anthony J. Limberakis, der die „Megali Idea“ Griechenlands verwirklichen will und als „nationaler Kommandant“ bezeichnet wird, erklärte, dass die Archonten seit 60 Jahren an der Seite des „Ökumenischen Patriarchats“ stünden – die Zufriedenheit über den lang erwarteten Fortschritt bei der Wiedereröffnung der Theologischen Hochschule zum Ausdruck gebracht und festgehalten, dass sie „nicht ruhen werden, bis die Klassen wieder gefüllt sind“. Unterdessen beklagte er, dass die Türkei die Rechtspersönlichkeit des Patriarchats nicht anerkenne und dessen Eigentum beschlagnahme.
Gibt es in Ankara jemanden, der gegen diese Aktivitäten und Erwartungen des Patriarchats sowie gegen die Forderungen der USA seine Stimme erhebt? Nein!..
Was hat er mit dem britischen König besprochen?
Da der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus I., sich entgegen Lausanne nicht nur als „ökumenisch“, also als Oberhaupt aller Orthodoxen weltweit betrachtet, sondern auch den Titel „Erzbischof von Konstantinopel-Neues Rom“ verwendet, wird er in fast allen Ländern wie ein Staatschef behandelt.
Als er Mitte September für eine Veranstaltung nach Großbritannien reiste, traf er sich mit König Charles in dessen Sommerresidenz in Schottland. Es wurde berichtet, dass das auf eine halbe Stunde angesetzte Treffen „in einer äußerst herzlichen und freundschaftlichen Atmosphäre um eine weitere halbe Stunde verlängert wurde“.
Hat in Ankara jemand den Patriarchen gefragt: „Was haben Sie mit König Charles besprochen?“ Nein!..
Ende September ernannte Bartholomäus zudem den Priester Demetrios Samaras zum „Leiter des Waisenhauses“ aus byzantinischer Zeit. Wer ist dieser Samaras? Ein Geschäftsmann aus Thessaloniki, der zudem als „internationaler Vorsitzender der AHEPA-Niederlassung Bosphorus (Bosporus) Konstantinopel“ die Bildungsaktivitäten der Griechen in Istanbul unterstützt.
Während in Westthrakien gewählte Muftis nicht anerkannt werden, fragt irgendjemand: „Was ist das für eine Ernennung?“ Wiederum nein!..
Nach der Ukraine nun Bulgarien
Dass das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel im Auftrag der USA Aktivitäten zur Einkreisung Russlands durchführt, ist ein offenes Geheimnis. Begonnen wurde damit, die ukrainische Kirche von der Moskauer Kirche abzuspalten.
Ein weiteres Land im Visier ist Bulgarien. Obwohl zahlreiche Priester und Gemeindemitglieder der Bulgarisch-Orthodoxen Kirche sowohl gegen die Verwendung des Titels „ökumenisch“ durch Bartholomäus als auch gegen die Politik der Gräzisierung der Bulgaren protestierten, reiste er Mitte Oktober nach Sofia.
Bartholomäus, der dort auf Proteste stieß, traf sich mit dem bulgarischen Ministerpräsidenten Rumen Radew. Während Radew erklärte, der Besuch werde „der Beziehung zwischen der bulgarischen Kirche und dem Patriarchat von Konstantinopel neue Impulse verleihen“, empfing der bulgarische Patriarch Daniel Bartholomäus als „Ökumenischen Erzbischof von Konstantinopel“. Unterdessen trafen sich neben dem griechischen Botschafter in Sofia auch der türkische Botschafter mit Bartholomäus.
Hat irgendjemand Bartholomäus in Bulgarien gefragt, was er dort zu suchen habe? Nein!..
In einem Interview mit einer griechischen Zeitung anlässlich seines 35-jährigen Jubiläums als Patriarch bezeichnete Bartholomäus die Gewährung der Unabhängigkeit an die ukrainische Kirche als eine der schwierigsten Entscheidungen seiner Amtszeit und betonte das Ziel der Eröffnung der Theologischen Hochschule von Chalki. Zudem zählte er die Rückkehr der Griechen nach Gökçeada und die Wiedereröffnung griechischer Schulen zu den „wichtigsten Entwicklungen für seine Heimat“.
Während in Westthrakien türkische Schulen geschlossen werden, läuft es hier so... Gibt es jemanden, der fragt oder hinterfragt? Nein!..
Der Papst und der „Ökumenische Patriarch von Konstantinopel“
Als Bartholomäus am 24. und 25. Oktober für eine Messe nach Italien reiste, wurde er neben einigen Botschaftern auch vom türkischen Botschafter im Vatikan und dem ehemaligen Kommunikationsdirektor des Präsidenten, Fahrettin Altun, empfangen.
Noch wichtiger ist, dass er vom Staatsoberhaupt des Vatikans, Papst Franziskus, erneut unter dem Titel „Ökumenischer Patriarch von Konstantinopel“ empfangen wurde.
Gab es von denjenigen, die lautstark verkündeten, sie würden nicht zulassen, dass Istanbul zu „Konstantinopel“ wird, „solange dieser Geist in diesem Körper weilt“, eine Reaktion? Wiederum nein!..
Kurz gesagt: Wenn Sie zulassen, dass Lausanne derart mit Füßen getreten wird, dann machen Griechenland und andere es eben „zum Lumpen“!..
Müyesser YILDIZ
28. Oktober 2026