Während sich die Sicherheitsgleichgewichte im Nahen Osten und im östlichen Mittelmeer verschieben, suchen die Länder nach neuen Wegen der Zusammenarbeit. Diese Bestrebungen verlaufen jedoch nicht einheitlich. Während im östlichen Mittelmeer Kooperationen in Bereichen wie Energie, maritime Sicherheit und Transport im Vordergrund stehen, zielt das zwischen der Türkei, Saudi-Arabien und Pakistan unterzeichnete Gemeinsame Verteidigungsabkommen von Mekka auf eine strukturiertere und institutionellere Sicherheitszusammenarbeit ab.
Diese zwei unterschiedlichen Ansätze sind wichtig, um zu zeigen, wie die Länder der Region im sich wandelnden Sicherheitsumfeld agieren werden. Auf der einen Seite gibt es Kooperationen, die sich um gemeinsame Interessen formen, auf der anderen Seite eine Struktur, die auf gemeinsamer Verteidigung und Abschreckung basiert. Die eigentliche Frage ist, wie dauerhaft und effektiv diese Kooperationen sein werden und in welchem Maße sie die Gleichgewichte in der Region verändern können.
Gipfeltreffen zwischen Ägypten, Griechenland und Zypern
Das am 8. September abgehaltene trilaterale Kooperationsgipfeltreffen zwischen Ägypten, Griechenland und Zypern zeigt, dass das sich wandelnde Sicherheitsumfeld im östlichen Mittelmeer die Länder der Region zu einer engeren Zusammenarbeit bewegt. An dem Gipfel nahmen der ägyptische Präsident Abd al-Fattah as-Sisi, der griechische Premierminister Kyriakos Mitsotakis und der Führer der griechisch-zyprischen Verwaltung (GKRY), Nikos Christodoulidis, teil.
Auf dem Gipfel wurden die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen den drei Ländern, die jüngsten Entwicklungen in der Region sowie Bemühungen zur Wiederherstellung von Frieden und Stabilität im Nahen Osten erörtert und die Auswirkungen regionaler Spannungen auf den globalen Handel und die Energiesicherheit bewertet.
In der veröffentlichten gemeinsamen Erklärung wurde zudem die Entwicklung der Zusammenarbeit zur Förderung von Frieden und Sicherheit im östlichen Mittelmeer und im Nahen Osten betont.
Zypern-Frage
In der gemeinsamen Erklärung wurde auch das Zypern-Thema behandelt. Christodoulidis drückte seine Zufriedenheit über die Unterstützung Ägyptens in der Zypern-Frage aus, und in der gemeinsamen Erklärung wurden die Bemühungen zur Wiedervereinigung der Insel auf der Grundlage von UN-Resolutionen unterstützt.
Dies zeigt, dass Ägypten seine mit Griechenland und der GKRY abgestimmte Haltung in der Zypern-Frage beibehält. Gleichzeitig kann dies als Teil der Politik Ägyptens gewertet werden, die regionale Zusammenarbeit im östlichen Mittelmeer zu schützen und auszubauen.
Strategische Zusammenarbeit
Die Betonung der strategischen Bedeutung des östlichen Mittelmeers in der gemeinsamen Erklärung zeigt, dass die drei Länder versuchen, ihre bestehende Zusammenarbeit in einer Zeit zunehmender geopolitischer Spannungen zu vertiefen.
Die Unterstützung für eine Zwei-Staaten-Lösung in Gaza, der Aufruf zur Beendigung der Konflikte im Libanon und zum Abzug israelischer Streitkräfte von libanesischem Boden sowie Botschaften zur Unterstützung der territorialen Integrität Libyens verdeutlichen die gemeinsame Haltung der drei Länder gegenüber regionalen Entwicklungen.
Das Thema Energie war eines der wichtigen Themen der trilateralen Zusammenarbeit. Projekte für Erdgas- und Stromnetze stärken die Verbindung des östlichen Mittelmeers mit der Energiesicherheit Europas.
Die Behandlung von Themen wie Wassersicherheit, Klimawandel, Wirtschaft und Handel zeigt, dass sich die Zusammenarbeit zwischen den drei Ländern auf verschiedene Bereiche ausweitet.
Ägyptens regionale Position
Ägypten nimmt aufgrund seiner Lage zwischen dem Nahen Osten, Afrika und Europa einen wichtigen Platz in der Regionalpolitik ein. Seine Lage, die sich über den Suezkanal, das Rote Meer und das östliche Mittelmeer erstreckt, erhöht die Bedeutung des Landes in den Bereichen Sicherheit, Handel und Energie. Ägyptens Flüssigerdgas-Anlagen und seine Energieinfrastruktur steigern diese Bedeutung zusätzlich. Ägypten versucht, seine Rolle als regionales Energiezentrum durch die Nutzung seiner vorhandenen Infrastruktur zu stärken.
Daher sind auch die Beziehungen Ägyptens zur Europäischen Union von Bedeutung. In der gemeinsamen Erklärung der drei Länder wird betont, dass die Stärkung der umfassenden strategischen Partnerschaft zwischen Ägypten und der EU zur Stabilität und Entwicklung der Region beitragen wird. Dieser Ansatz zeigt, dass Ägypten nicht nur seinen Beziehungen im östlichen Mittelmeer, sondern auch seinen wirtschaftlichen und strategischen Bindungen zu Europa Bedeutung beimisst.
An dieser Stelle wird in einigen Kommentaren bewertet, dass Ägypten „statt dem Mekka-Bündnis beizutreten, sich dem Rom-Bündnis angeschlossen hat“. Dieser Ausdruck erklärt jedoch die Situation, in der sich Ägypten befindet, nicht vollständig, da die Art und der Umfang der beiden Kooperationen unterschiedlich sind.
Dass Ägypten seine bestehende Zusammenarbeit mit Griechenland und der GKRY ausbaut, bedeutet nicht, dass es direkt einem Bündnis beigetreten ist, das eine Alternative zum Gemeinsamen Verteidigungsabkommen von Mekka darstellt. Aus dieser Perspektive betrachtet, führt Ägypten multilaterale Kooperationen, die ihm in den Bereichen Sicherheit, Energie und Wirtschaft verschiedene Optionen bieten, parallel zueinander durch, während es seine bestehenden Beziehungen zu verschiedenen regionalen Akteuren aufrechterhält. Dies zeigt, dass Ägypten in seiner Regionalpolitik vorzieht, verschiedene Kooperationsbereiche gleichzeitig zu nutzen, anstatt sich an eine einzige Struktur zu binden.
Wird Ägypten dem Gemeinsamen Verteidigungsabkommen von Mekka beitreten?
Dass Ägypten dem Gemeinsamen Verteidigungsabkommen von Mekka noch nicht beigetreten ist, bedeutet nicht, dass es von der regionalen Sicherheitszusammenarbeit ausgeschlossen ist. Aufgrund seiner militärischen Kapazität, seiner Bevölkerung und seiner geografischen Lage bleibt Ägypten einer der wichtigen Akteure im Nahen Osten.
Ägypten versucht, wie in der Vergangenheit, auch heute bei regionalen Entwicklungen gemäß seinen eigenen Prioritäten zu handeln. Insbesondere der Gedanke, dass eine Parteinahme bei regionalen Krisen den Handlungsspielraum des Landes in der Außen- und Sicherheitspolitik einschränken könnte, beeinflusst sein vorsichtigeres Vorgehen. Daher kann der bisherige Nichtbeitritt zum Mekka-Abkommen eher als Suche nach einer gleichzeitigen Bewertung verschiedener Kooperationsoptionen denn als Haltung gegen das Abkommen gesehen werden.
Für Ägypten erscheint es wichtiger, die Möglichkeiten beider Strukturen im Einklang mit seinen eigenen Sicherheits- und Wirtschaftsprioritäten zu bewerten, anstatt zwischen dem Mekka-Abkommen und der Zusammenarbeit im östlichen Mittelmeer eine Wahl zu treffen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es treffender erscheint, Ägyptens Politik eher als einen Ansatz zur Aufrechterhaltung von Beziehungen in verschiedenen Sicherheits- und Kooperationsbereichen zu bewerten, anstatt als eine Wahl für eine bestimmte Seite.
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