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Journalisten im Wettlauf um die Gunst ihrer Chefs

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Veröffentlicht: 02.11.2026 06:00

Eigentlich hatte niemand den Äußerungen des CHP-Fraktionsvorsitzenden Faik Öztrak über den „Mantel von Erişah Hanım“ viel Beachtung geschenkt. Das Unheil nahm zwei Tage später, am 21. Oktober, mit drei Sätzen in einem Artikel des Hürriyet-Kolumnisten Abdülkadir Selvi seinen Lauf:

   „Faik Öztrak hat in seiner Bewertung der Fondskrise einen Beitrag veröffentlicht, der auf die Vorstandsvorsitzende der Borsa İstanbul, Erişah Arıcan, abzielte. ‚Dostojewski hat gesagt: Wir alle sind aus Gogols Mantel geschlüpft.‘ In der Bürokratie sind auch viele Führungskräfte von Institutionen aus dem Mantel von Erişah Hanım und ihrem Team geschlüpft.“

   Selvi erwähnte nicht explizit, dass Öztrak damit auf die Tatsache anspielte, dass Erişah Arıcan die Betreuerin der Doktorarbeiten von Berat Albayrak und Şahap Kavcıoğlu war. Dennoch kam noch am selben Tag eine sehr scharfe Erklärung von Berat Albayraks Anwalt. Sabah veröffentlichte diese Erklärung, in der Selvi – genau wie Ümit Özlale und Faik Öztrak – als „Subunternehmer“ bezeichnet wurde, in ausführlicher Form.

    An jenem Tag verteidigten die Sabah-Kolumnisten Okan Müderrisoğlu mit seinem Artikel „Der ‚schamlose Angriff‘ auf Berat Albayrak und die Folgen“ sowie Salih Tuna (Davut Kayacı) mit seinem Text „Sagen Sie doch einfach, was für Esel wir sind“ Berat Albayrak mit vollem Einsatz.

     Am 23. Oktober startete Sabah einen koordinierten Angriff auf Selvi. Dilek Güngör mit „Schmutzige Allianz bei der Arbeit“ und Hilal Kaplan mit ihren „regierungsnahen“ Artikeln beschuldigten Abdülkadir Selvi und verteidigten Berat Albayrak. Einen Tag später unterstützte Okan Müderrisoğlu ihn erneut, indem er ihn als „vertrauenswürdige Person“ bezeichnete.

   Es ist unmöglich, diese Artikel als objektive Bewertungen zu betrachten. Da Berat Albayrak der Bruder von Serhat Albayrak, dem CEO von Turkuvaz Medya, ist, veröffentlichen die Zeitungen und Fernsehsender der Gruppe ständig Lobeshymnen auf Berat Albayrak; bei jeder Kritik oder Anschuldigung gehen sie sofort in die Defensive. Die Autoren stehen jederzeit bereit, um sich in einen Wettlauf zu begeben, wer dem Chef am meisten schmeicheln kann. Natürlich hat dieses Bestreben nichts mit Journalismus oder dem Anliegen zu tun, die Öffentlichkeit zu informieren.

    Die Haltung von Sabah ist nicht neu, daher ist das eigentlich Bemerkenswerte die zaghafte Haltung von Hürriyet. Zunächst einmal war es bezeichnend, dass Selvi auf den schweren Angriff gegen seine Person nicht einmal mit einem einzigen Satz reagierte oder reagieren konnte. Zudem veröffentlichte Hürriyet nicht nur die Erklärung von Berat Albayraks Anwalt in voller Länge; auch der Chefredakteur der Zeitung, Ahmet Hakan, griff Ümit Özlale und Faik Öztrak mit den Worten „Sie können nicht genug davon bekommen, Berat Albayrak zu verleumden“ an. Er tat so, als wäre sein eigener Kolumnist in dieser Debatte keine Partei; er verteidigte Selvi nicht gegen die Anschuldigungen.

    Was im Hintergrund geschah, warum Abdülkadir Selvi und Ahmet Hakan auf all die schweren Worte nicht antworten konnten, wissen wir nicht. Wäre man mit journalistischem Reflex gehandelt, hätte man sicherlich geantwortet. Möglicherweise haben andere Kräfte und Sorgen eine Rolle gespielt. So ist es eben, wenn Journalismus zum Wachhund der Interessen des Chefs und zur Partei in politischen Abrechnungen wird...

Der institutionelle Ruf von Beyaz TV!

   Cem Küçük und Tahir Sarıkaya befinden sich seit etwa drei Monaten in Untersuchungshaft. Der Programmdirektor von Beyaz TV, İsmail Çanak, der sich gestellt hatte, ist unter Auflagen auf freiem Fuß. Natürlich werden wir die Vorwürfe klarer sehen, sobald die Anklageschrift vorliegt.

    Die Aussagen bei der Staatsanwaltschaft deuten jedoch auf einen ständigen „Geldfluss“ zwischen ihnen hin. Cem Küçük erklärte in seiner Aussage bei der Staatsanwaltschaft bezüglich des Geldtransfers in Höhe von 537.800 TL zwischen ihm und Tahir Sarıkaya, dass dies „aus Forderungen oder Organisationsgebühren resultiere“. Den Vorwurf der Erpressung und der Berichterstattung durch Drohungen wies er entschieden zurück.

     Tahir Sarıkaya sagte in seiner Aussage ebenfalls: „Ich habe kein Geld für das Absetzen von Tweets oder das Erstellen von Nachrichten geschickt“, räumte aber ein, dass er „möglicherweise auch Zahlungen für gemeinsam besuchte Eröffnungen und Programme geleistet haben könnte“. Sarıkaya gab zu, dass er „Nachrichten über den Geschäftsmann Serdar Özyurt und Werbeposts in den sozialen Medien erstellt habe und dafür Geld auf sein Konto überwiesen wurde“.

   Am interessantesten war die Aussage von İsmail Çanak. Çanak gab an, er habe „Cem Küçük für die Teilnahme an kommunalen Veranstaltungen“ und Tahir Sarıkaya für die Teilnahme an Events Zahlungen geleistet. Zudem gab er zu, 21 Mal Geld von Fatih Eke und 64 Mal von Serdar Özyurt für Werbung, Promotion und Social-Media-Beiträge erhalten zu haben.

   Tatsächlich war Cem Küçük einer derjenigen, die Serdar Özyurt mit Lob überschütteten, als wäre er auf dem Cover des berühmten Forbes-Magazins gewesen, der andere war Ahmet Hakan. Beide haben das Bild des Covers, das sie veröffentlicht hatten, nicht einmal korrigiert, nachdem sich herausstellte, dass es gefälscht war.

   Cem Küçük moderierte zuletzt eine Sendung bei TGRT und schrieb für die Zeitung Türkiye. Tahir Sarıkaya moderierte die Morgensendung „Uyan Türkiye“ bei Beyaz TV. İsmail Çanak war gleichzeitig Büroleiter der Özyurt Silah Sanayi. Er war der Reporter für die bezahlten Interviews mit Bürgermeistern, die in Sarıkayas Sendung ausgestrahlt wurden. Später wurde er ein Unternehmer, der millionenschwere Firmen gründete!

     Im Zentrum all dieser finanziellen Beziehungen scheint Beyaz TV zu stehen. Tahir Sarıkaya und İsmail Çanak stammen ebenfalls von diesem Sender. Wurden die bezahlten Programme, die bezahlten Social-Media-Werbungen und die bezahlten Organisationen mit Wissen der Geschäftsführung von Beyaz TV durchgeführt oder ohne deren Wissen? Die Verantwortlichen von Beyaz TV haben in diesem Prozess kein Wort verloren, als ob von einem ganz anderen Sender die Rede wäre.

    Es wurde bekannt gegeben, dass Beyaz TV „aufgrund von Erneuerungen und technischen Änderungen eine Pause bei den Hauptnachrichten eingelegt hat“. Odatv, das diese Entwicklung meldete, schrieb später, dass die Gendarmerie das Gebäude des Senders durchsucht habe. Doch Beyaz TV und Osman Gökçek dementierten die Nachricht von der Durchsuchung.

     Doch Beyaz TV, das die Nachricht von der „Durchsuchung“ schnell dementierte und von einer „Schädigung des institutionellen Rufs“ sprach, schweigt seit Monaten zu den Vorwürfen gegen Tahir Sarıkaya und İsmail Çanak.

    Es kann keine Rede von „institutionellem Ruf“ sein, ohne dass die Geschäftsführung von Beyaz TV erklärt, ob Sendungen gegen Geld produziert wurden und warum sie nicht eingegriffen haben, falls die Vorwürfe wahr sind.

   Keine Unterstützung für den inhaftierten Journalisten

   Die Nachricht „Anklageschrift gegen den inhaftierten Journalisten Fatih Ergin akzeptiert“ erschien auf vielen Nachrichtenseiten wie Cumhuriyet, Sözcü, Medyaradar und T24. In den 4-5 Sätzen langen Meldungen wurde erwähnt, dass Fatih Ergin seit dem 28. September wegen des Vorwurfs der „öffentlichen Verbreitung irreführender Informationen“ inhaftiert ist, die Anklageschrift akzeptiert wurde und er am 18. November zum ersten Mal vor Gericht stehen wird.

    Doch in dieser Nachricht vom 26. Oktober fehlte der Inhalt des Vorwurfs gegen Fatih Ergin. Was er getan hat, dass er inhaftiert wurde und eine Anklageschrift gegen ihn vorbereitet wurde, blieb unklar. Ja, die Nachricht, dass am 19. Oktober eine Anklageschrift vorbereitet wurde, war auch auf diesen Seiten veröffentlicht worden, und diese Informationen waren dort enthalten. Aber nicht jeder muss jede Nachricht lesen. Nachrichten müssen die grundlegenden Elemente enthalten, die als 5W1H zusammengefasst werden.

     Tatsächlich gaben Yeniçağ und Nefes zu Beginn der Nachricht die Information, dass es sich um einen „Journalisten handelt, der seit 28 Tagen inhaftiert ist, weil er in einem auf Social Media geteilten Nachrichten-Tweet statt ‚ehemaliger Gefängniscampus-Arzt‘ ‚Gerichtsmediziner‘ geschrieben hat“. Im Abschnitt „Was war passiert“ wurde betont, dass Fatih Ergin trotz der Korrektur seines Fehlers in seinem Beitrag über Turgay Tamer, der im Rahmen der Ermittlungen zum Tod des ehemaligen MİT-Mitglieds Kaşif Kozinoğlu festgenommen und wieder freigelassen worden war, inhaftiert wurde und am 18. November zur ersten Verhandlung erscheinen wird. 12Punto und Karar hatten diese Informationen ebenfalls in ihre Berichterstattung aufgenommen. So schreibt man korrekte Nachrichten.

    Fatih Ergin ist jedoch Nachrichtenleiter von Nefes.com.tr. Nefes, das zwischen den Zeilen versteckte, dass er ihr Mitarbeiter ist, hatte die Nachricht am Tag seiner Inhaftierung ebenfalls so klein gehalten und nicht einmal auf die Titelseite gebracht. Danach brachten sie zwei kleine Meldungen und vergaßen ihn dann, bis die Anklageschrift fertig war.

     Es ist sehr bitter, dass eine Zeitung ihren eigenen Mitarbeiter angesichts der ihm widerfahrenen Ungerechtigkeit nicht verteidigt. Wer seinen eigenen Nachrichtenleiter nicht verteidigen kann, kann niemals die Stimme der Stimmlosen oder die Kraft der Schwachen sein.

    Zudem war die Inhaftierung von Fatih Ergin das erste Beispiel dafür, dass Journalisten wegen eines Wortfehlers inhaftiert wurden. Zuletzt wurden auch der Chefredakteur von Sözcü.com.tr, Ercüment İşleyen, und die verantwortliche Redakteurin Tuğba Nur Çelik stundenlang festgehalten, weil in einer Nachricht über zwei junge Frauen, die wegen des Aufhängens eines Protestplakats gegen Bildungsminister Yusuf Tekin inhaftiert wurden, statt „Universität“ „Gymnasialschülerin“ geschrieben wurde.

   Wir müssen gegen diese Operationen protestieren und – wie Seyhan Avşar betont – nicht akzeptieren, dass „eine solch harte Methode normalisiert wird“. Was nötig ist, ist ein starker und kontinuierlicher Protest, wie ihn BirGün zeigt, indem sie ihren Reporter İsmail Arı, der inhaftiert wurde und gegen den aus fadenscheinigen Gründen ein Verfahren eröffnet wurde, jeden Tag auf die Titelseite bringt.

   Es gibt keine blutige Abrechnung unter Kindern

     TV100 hatte die Nachricht mit der Überschrift „Blutige Abrechnung“ versehen, als hätten sich kriminelle Banden bekämpft. Dabei hatte ein 15-jähriges Kind einen anderen 14-Jährigen mit einer Waffe erschossen.

    Auch über den Grund des Mordes herrschte in der Berichterstattung Verwirrung. Einerseits wurde mit der Aussage „Der Streit zwischen zwei Kindern in Ankara, der am Telefon begann, endete im Park blutig“ auf einen „Mord unter Gleichaltrigen“ hingewiesen. Andererseits wurde mit dem Satz „Hinter dem Mord kam der Verdacht auf eine Feindschaft zum Vorschein, die vor 11 Jahren aufgrund eines tödlichen Vorfalls zwischen zwei Familien begann“ die Möglichkeit einer „Blutrache“ in den Raum gestellt.

     Zu demselben Mord wurden in anderen Medien Überschriften verwendet wie „Feindschaft zwischen Kindern, die sich im Park trafen, endete mit Mord“ (İHA), „Verdacht auf Blutrache bei der Ermordung eines 14-jährigen Kindes in Ankara“ (Sabah, NTV), „Verdacht auf 11-jährige Feindschaft“ (Cumhuriyet), „Opfer 14, Täter 15 Jahre alt! Aus Mord unter Gleichaltrigen wurde Blutrache“ (Habertürk), „Aus Mord unter Gleichaltrigen wurde familiäre Feindschaft“ (Akşam). In allen wurde von „Feindschaft“ und „Blutrache“ gesprochen, aber die Sätze begannen entweder mit „angeblich“ oder endeten mit Wörtern wie „Verdacht“ oder „wurde behauptet“.

   Wenn von „Behauptung“ und „wurde behauptet“ die Rede ist, verstehe ich, dass nicht ausreichend recherchiert wurde und die geschriebenen Informationen nicht vollständig verifiziert werden konnten. Das ist ein schwerer journalistischer Fehler. Nachrichten können nicht mit nicht verifizierbaren Informationen geschrieben werden, und das Wort „Behauptung“ gibt einem nicht das Recht, alles, was man hört, zur Nachricht zu machen. Entweder man recherchiert gut, verifiziert es und schreibt es dann, oder man schreibt es gar nicht.

    Zudem gibt es bei Kindern keine „Feindschaft“ oder „Blutrache“. Wenn es sich wirklich um einen Mord aus Blutrache handelt, dann ist der Einsatz eines 15-jährigen Kindes im Spiel. Leider wurde in den Nachrichten auf diesen Aspekt des Mordes überhaupt nicht eingegangen. Auch wurde nicht hinterfragt, wie das Kind an diese Waffe gekommen ist. Wenn man gut recherchiert und über die Ebene der Behauptung hinausgegangen wäre, hätte man nicht nur einen Mord auf neugierig machende Weise verkündet, sondern ihn in eine für die Gesellschaft nützliche, warnende Nachricht verwandelt.

     Es war auch falsch, in dieser Nachricht, die alle Krankheiten polizeilicher Berichterstattung enthielt, ein Porträtfoto des verstorbenen 14-jährigen Kindes zu verwenden. Dass Sabah das blutige Foto des verstorbenen Kindes, wie es auf dem Boden lag, verwendete, war ein noch schlimmerer journalistischer Fehler.

In einem Satz:

• Die Seite Haberler.com nahm es in Kauf, die Leser für Klicks zu schockieren, indem sie die Überschrift „Aus dieser Tüte kam der abgetrennte Kopf des Phänomens“ wählte und sogar das Foto dieser Tüte veröffentlichte.

• Die Konten von 31 Personen, darunter die Journalisten Birsen Altuntaş und Erk Acarer, auf der Social-Media-Plattform X wurden für den Zugriff gesperrt.

• Das Konto @kisadalgamedia, das die Nachrichtenseite Kısa Dalga, deren Konto @kisadalgamedya gesperrt wurde, auf X eröffnete, wurde ebenfalls gehackt; obwohl es einen blauen Haken hatte, konnte es nicht zurückgeholt werden.

• Barbaros Tapan, der für die Beilage Kelebek von Hürriyet schreibt, lobte in seinem Artikel „Volle Punktzahl von Ausländern für türkische Marken“ zwei Zucker- und Kölnisch-Wasser-Marken und betrieb Schleichwerbung.

• Akşam, Milliyet und Sabah erwähnten in ihren Nachrichten über die Worte von Präsident Erdoğan „Es gibt keinen Platz für Trennung und Spaltung“ nicht, dass der aserbaidschanische Präsident İlham Aliyev nicht am Gipfel in Ankara teilnahm.

FÜR IHRE KRITIK, BESCHWERDEN UND VORSCHLÄGE: [email protected]

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